Home Aktuelles Die Rimini-Orgel – eine bewegende Geschichte der “Friedensorgel”

Die Rimini-Orgel – eine bewegende Geschichte der “Friedensorgel”

by Brigitte Matt-Brassel
Für den Wiederaufbau der Riminiorgel

Die Gefangenenorgel von Rimini ist eine Geschichte von Krieg und Frieden „Prunkstück der ganzen Lagerstadt – mehr als nur ein Stück Robinson-Romantik. Ist diese Orgel aus Konservenblech und altem Schuhleder nicht ein Zeugnis dafür, daß selbst Schrecken und Nöte vieler Kriegsjahre nicht imstande sind, die uralte Sehnsucht der Menschen nach Schönem und Edlen abzutöten? Und jeden, welche am Menschengeschlechte verzweifeln wollen, mögen daraus neue Mut schöpfen, um an das Gute im Menschen zu glauben“ heißt es in einem Zeitungsbericht von 1945.
Nach jetzt 75 Jahren soll die Riminiorgel wiedererstehen – als Erinnerung, Mahnerin und Symbol für den Frieden in Europa. 

Mai 1945:
150.000 deutsche Soldaten kommen in das Kriegsgefangenenlager Rimini-Belaria unter englisch-amerikanischer Leitung. Die Soldaten leben erbärmlich in selbst gebuddelten Erdlöchern in der Hitze am Strand von Rimini. Die tägliche Essensration beträgt ein Brot für 12 Mann. In dieser bedrückenden und scheinbar so ausweglosen Situation wird eine kleine Pfeifenorgel zum Symbol für den Willen zum Überleben und ein starkes Miteinander „Gemeinsam schaffen wir das“.

Mit einem Zettel am Aushang fing es an:
Im Juni 1945 hängt an einem Brett auf dem Lagerplatz ein Zettel mit folgendem Text:

“Suche einen Orgelmacherkollegen zum geistigen Austausch.
Eusebius Schäbung, Erdt-Loch 28 im Plocke 14 zwischen der 11ten Straße gen Rimini und der 6. gen San Marino.”

Zwei Orgelbauer finden zusammen und durch die Initiative und unter der Leitung von Orgelbaumeister Werner Renkewitz (ehemals Oberfeldwebel I./274) entwickelt sich eine große und bewegende Geschichte:

Die Müll- und Gefangenenorgel von Rimini
Alte Konservendosen und Kekskanister werden zu Orgelpfeifen. 50 alte Holz- und Lebensmittelkästen werden zu Windladen und Gehäuse verarbeitet, Stahldraht zu Abstrakten, eine alte Lederhose, alte Stiefelschäfte und ein alter Soldatenrock zu Dichtungen von Ventilen und Windladen. Das Lötzinn wird aus Kanistern herausgeschmolzen. 

Die Geschichte der Gefangenenorgel hat sich in den 60er Jahren schnell verbreitet.

Hier ist die Riminiorgel mit dem kleinen C-Dur-Präludium von J.S. Bach zu hören (im WDR live von 1963)

Ein Lagerpfarrer besorgt Materialien aus der Lagerumgebung. Unter den Gefangenen sind zahlreiche Handwerker, Künstler und Architekten, und nach und nach findet sich eine Gruppe von bis zu 12 Mitarbeiter zusammen. Die englisch-amerikanischen Lagerbewacher beobachten das Treiben auf dem Lagerplatz zunächst aufmerksam mit skeptischer Sorge, die deutschen Gefangenen könnten Waffen herstellen.

Orgelweihe nach nur drei Monaten
Nach drei Monaten und 3.600 Arbeitsstunden, am Freitag, den 13. September 1945, erklingen um 20.15 Uhr die ersten Töne der Orgel und zwei Tage später, am Sonntag, den 15. September, ist feierliche Orgelweihe. Die Orgel steht im Freien am Strand noch im 4 Meter hohen Gerüst, kunstvoll zusammengefügt aus handgesägten Latten und Brettern, Prinzipal 8´im Prospekt, zwei Flügeltüren rechts und links mit einem großen, überragenden Kreuz in der Mitte: ein Kunstwerk aus Kriegsabfällen. 
Zur Orgelweihe kommt der Bischof von Rimini und es muss ein großes und ergreifendes Fest für die Gefangenen gewesen sein. Da standen die vielen Gefangenen, die Posten der Wachkommandos, Offiziere und Soldaten aller Waffengattungen, Deutsche, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Polen und Italiener. Ehemalige Gegner in der Feierstunde vereint. “Miteinander haben wir etwas Ungewöhnliches und etwas eigentlich Nichtmachbares geschafft. Die Orgel spielt.”

Für den Wiederaufbau der Riminiorgel: 

Wie könnte es heute, nach 75 Jahren, weitergehen?
Der Traum der Initiatoren zum Wiederaufbau ist es, dass die Riminiorgel wiederersteht als Erinnerung, Mahner und Symbol für den Frieden in Europa.

Machen Sie mit? Die Unterstützung und Hilfe für das Projekt kann in vielfältiger Hinsicht geschehen:

– Durch die Verbreitung der Riminigeschichte in Ihrem Umfeld
– Hilfe bei der Suche nach Sponsoren
– Übersetzung und Verbreitung des obenstehenden Textes in Ihrem Land
– Durch direkte finanzielle Unterstützung

Für die Initiative „Riminiorgel“ Stiftungs-Verein i.Gr.

Michael Grüber
Marktstr. 8
D-72160 Horb am Neckar
Tel. 07451 / 900 79 92
Email: Michael.Grueber@gmx.de
www.ORGANpromotion.org

 Ein Organist komponiert eigens für die Einweihung ein Konzert, der große 1000-Mann starke Männerchor singt und der Pfarrer spricht bewegende Worte: „Lasst uns an der Orgel ein Beispiel nehmen! Die Pfeifen der Orgel, kleine und große, alle klingen miteinander, jeder gibt sein Bestes und trägt miteinander zum Gemeinsamen bei.“
Der Bischof spendet den Segen und tausende sangen „Großer Gott, wir loben dich“. Die Orgel wird auf den Namen „JUBILATE“ getauft.